Idealverhalten von
Mitarbeitern, Betreuern, Juniorhelfern und
Jugendleitern bei Freizeiten, Fahrten und
Ausflügen
Mitarbeiter,
Jugendleiter Juniorhelfer, Teamer
Die
idealen Betreuer auf Sommerfahrten und
Ferienfreizeiten
BETREUER-VERHALTENSVORBILDER
Kleine
Anmerkung vorweg:
Diese
Zusammenstellung soll Betreuerinnen und
Betreuern bei Kinder - und
Jugendunternehmungen Mut machen. "Perfekt"
ist niemand. Aber langjährige Beobachtung
lehrt mich, welche meiner eigenen Fehler und
schlechten Eigenschaften andere Betreuer
leicht vermeiden könnten. Mir ist so gut wie
alles Nervige schon selbst unterlaufen:
Ich
habe schon auf Einladungen falsche Zeiten
gedruckt, ich war als Leiterin unpünktlich,
habe mich verlaufen, habe Treffpunkte falsch
benannt, war zu streng, habe Partei ergriffen,
statt zu vermitteln, war mittendrin, statt
den Überblick zu behalten, habe mich im Ton
vergriffen, statt beherrscht zu bleiben, war
ungerecht, weil ich nicht genügend
nachgeforscht habe, habe Unbeteiligte bei
Disziplinarmaßnahmen mitleiden lassen, mir
ist sogar schon mal, beschönigend formuliert,
"die Hand ausgerutscht". Die Liste
kann seitenlang werden. Und bei
Musikinstrumenten und Gesang konnte ich
andere Betreuer sowieso immer nur bewundern.
Wenn ich die Messlatte folgender Liste auf
mich anwendete, wüsste ich gar nicht, ob ich
mich selbst als Betreuerin mitnehmen dürfte...
Also
nur Mut! Ideale Betreuer müssten also
eigentlich nur ein paar meiner Fehler
vermeiden - und sind dann besonders gut, wie
ich hier auf einem Freizeitzeugnis erfahren
konnte...

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1.
Schon beim Fahrtantritt offenbart sich, ob
Betreuer zuerst an sich oder an die zu
betreuenden Kinder denken: Betreuer suchen sich
nicht als erste die besten Plätze im Bus aus. .
Gute Betreuer wartenbis alle Kinder einen Platz
gefunden haben. Wenn bestimmte Plätze von
mehreren Kindern besonders gewünscht werden, ,
müssen sie nach einem vorher bekannten Prinzip
vergeben werdenentweder nach der Reihenfolge der
Anmeldungen, nach Losentscheid, als Belohnung
für besondere Leistungen oder wegen
Reiseübelkeit.
2. Betreuer sollten allerdings bei der Platzwahl
darauf achten, dass sie nicht immer alle
zusammenhocken, sondern als Ansprechpartner
verteilt sitzen.
3.
Bei allen während der Freizeit in Frage
kommenden Reihenfolgen, beim Essen zum Beispiel,
warten Betreuer, bis alle Teilnehmer versorgt
sind.
Betreuer stehen über der
Teilnehmerebene und nicht in Konkurrenz zu den
Teilnehmern.
4.
Sollte irgendetwas nicht für alle reichen, so
gilt folgende Verteilregel: erst werden die
Teilnehmer versorgt, dann die Betreuer, zum
Schluss die Freizeitleitung. Unter den
Teilnehmern gilt: erst die Jüngsten, dann die
Älteren, weiter unterteilt: erst die
Schwächeren, dann die Stärkeren, erst die
Mädchen, dann die Jungen! In letzter Konsequenz
heißt dies, dass eher die Freizeitleitung
hungert, als dass ein Teilnehmer zu kurz
kommt.
5.
Gibt es also zum Beispiel nicht genügend leckere
Nachspeise für alle, so müssen Leitung/Betreuer
kommentarlos verzichten. Wer dazu nicht bereit
ist, muss wieder Teilnehmer werden, dann wird er
wieder bevorzugt
Für die Betreuer gilt die
Fürsorgepflicht. Die positive Kehrseite dieser
,,Aufopferung" ist, dass nur so das
Vertrauen der Teilnehmer in die Betreuer zu
erhalten ist.
Nur, wer für seine Teilnehmer sorgt,
kann sich auch auf sie verlassen.
6.
Ein Betreuer ist kein ,,aufgestiegener Teilnehmer",
der nun Anspruch auf Vorzugsbehandlung hat.
7.
Vorbildliches Verhalten beim Essen bedeutet: An
den Tischen darauf achten, dass erst mit dem
Essen begonnen wird, wenn alle am Tisch sitzen.
Dann muss einen Moment lang Ruhe herrschen.
Esssitten auf angepasstem Niveau loben.
8.
Eifersucht unter den Gruppen als anregendes
Element betrachten, aber nicht zu ernsthaftem
Zwist ausarten lassen.
9.
Jungscharfreizeiten bedürfen nicht eines
ausgesprochen autoritären Führungsstiles. Ein
Leitungs-Unterordnungsprinzip (etwa wie in einem
Chor) soll bei uns so nicht gelten.
Gewisse
Reibungsverluste bei diskussionsfähigen Themen
müssen hingenommen werden.
10.
Vorhandene Gegensätze der Interessenlagen von
kleineren und größeren Kindern nicht noch
überbetonen, sondern ausgleichen. Für
entspannte Atmosphäre sorgen, nicht zu
Streitereien herausfordern. Andere Sichtweisen
und Unterschiede nicht bewerten, aber benennen.
Bei heftigen Diskussionen dann einschreiten, wenn
aus "doofen Meinunungen" plötzlich
"doofe Leute" werden...
11.
Teilnehmer nicht beleidigen oder herabsetzen,
auch, wenn Teilnehmer untereinander grenzwertige
Scherzklassifizierzungen benutzen. (Beispiel:
Zahnspangenträger als Blechgesicht
titulieren). Betreuer müssen motivieren, nicht
demotivieren. Betreuer sind natürlich keine
ständig fröhlichen Animateure, aber zur
Freizeit passende positive
Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und zu
fördern, wird schon erwartet. Gute Stimmung
fördern, Missmut auffangen!
12.
Betreuer sind bei Verabredungen und Terminen
stets vor den Teilnehmern am Ort und stoßen
nicht wie gelangweilte Stars
irgendwann zu bereits ehrfürchtig
wartenden Teilnehmern".
13.
Gute Betreuer denken mit, regen an. Sie
entwickeln von sich aus je nach ihren Interessen
und Hobbys Freizeitangebote.
Das reicht von verchiedenen Turnieren über Disko-
und Spieleabende, Pfeiljagden, Nachtwanderungen,
Bibelarbeiten, Diskussionen, Singen am Lagerfeuer
bis hin zur Freizeitzeitung oder Mitaberbeit an
Freizeitfilmen.
14. Betreuer müssen gegenüber der
Freizeitleitung auf eigene Schwächen, die
während der Freizeit Probleme bereiten könnten,
hinweisen.
Beispiel: nicht alle haben einen gleich guten
Orientierungssinn, was für die
Gruppenzusammensetzung bei Stadtspiel und
Wanderungen wichtig sein kann. (Ein Betreuer
landete bei einer Wanderung schon mal in einem
fremden Dorf
)
15. Betreuer dürfen mitunter, was die Leitung
nicht darf. So können Betreuer in flapsigerem
Ton auf Provokationen reagieren, wenn sich ein
Disput zwischen Teilnehmern und Betreuern auf
Schimpfwörter verlagert. Dies
dürfen Leiter nicht.
16. Betreuer sind Mittler zwischen
Freizeitleitung und Teilnehmern. Mittler sind sie
aber nur, wenn sie Informationen wirklich
weitergeben. Betreuer sollen Wünsche, Themen und
Konflikte in Kleingruppen einschätzen und, falls
erforderlich, sofort in Mitarbeiterbesprechungen
thematisieren.
17. Betreuer dürfen gegenüber der
Freizeitleitung keine Scham haben, bestimmte
Nachrichten weiterzugeben. Zum Beispiel bei
Verdächtigungen sexuellen Fehlverhaltens oder
beim Abhandenkommen von Privatsachen. In solchen
Fällen kochen manchmal zimmerinterne
Gerüchteküchen hoch, welche die
Aufklärung durch die Freizeitleitung mindestens
verzögern oder erschweren.
18.
Gleiches gilt für Nötigungen und Bedrohungen
unter Teilnehmern. Hier ist es ganz besonders
wichtig, dass Betreuer ihre Ohren ,,nah am Ort
haben". Eingeschüchtert offenbaren manche
Kinder erst nach der Freizeit, dass sie zu
bestimmten Handlungen genötigt worden waren.
19.
Auf gefährliche Gegenstände bei Teilnehmern
unauffällig achten. Dabei kann in einer Gruppe
ein Taschenmesser völlig ungefährlich sein,
während andere den Umgang damit noch nicht
gelernt haben.
20.Gewalt in jeder Form darf von Betreuern nicht
geduldet werden. Gewalttätige Kinder müssen als
möglichst unmittelbare Folge erfahren, dass sich
Gewalt nicht lohnt, weil sie mit zulässigen
disziplinarischen und von ihnen als
einschränkend empfundenen Maßnahmen beantwortet
wird. Auf Gewalt ist auch mit Androhung des
Ausschlusses von der Freizeit und schließlich
mit Abholung durch Sorgeberechtigte zu reagieren.
21.
Betreuer müssen um Gerechtigkeit bemüht sein.
Gerade Olympiade-Entscheidungen oder Zimmernoten
und Tagebuchbewertungen werden von Kindern
manchmal als willkürlich oder ungerecht
empfunden.
22.
Betreuer sollen Eitelkeiten "im Griff"
haben. Bei Fotos geht es in erster Linie um die
Teilnehmer. Bei Fotos sollen sie die Fotografen
am besten ignorieren.
23.
Für die Freizeitleitung ist eine Unterscheidung
besonders hilfreich: welche Betreuer von sich aus
erkennen, wann und wo sie gefragt sind und
verantwortungsvoll zupacken können.
Zu einer zweiten Gruppe gehören jene, die sich
lieber absichern und auf mehr oder
weniger detaillierte Anleitung warten. Das
Ausmaß an Zeitersparnis durch zupackende
Betreuer ist gar nicht hoch genug einzuschätzen,
was aber die Bedeutung der zweiten Betreuergruppe
nicht schmälert.
24. Auf
Freizeiten und Ausflügen geht oft viel Zeit
verloren, weil im Gruppendurcheinander schwer
festzustellen ist, ob noch Teilnehmer fehlen.
Schneller gehts, wenn alle Betreuer von sich aus
die Vollzähligkeit ihrer jeweiligen Kleingruppen
der Freizeitleitung melden.
25. Perfekte
Betreuer erkennen Fehler der Freizeitleitung und
helfen, sie zu vermeiden. Mein "Lieblingsfehler"
ist, zu viel für selbstverständlich zu halten
und damit Missverständnisse nicht immer voraus
zu ahnen. Lustige Beispiele:
- Auf Bahnhöfen mit
viel Betrieb halten die Betreuer ihre
Kleingruppen beisammen und sollen in
Zügen immer "in den ersten
Waggon in Fahrtrichtung"
einsteigen.
Die Fahrtrichtung ist aber erst nach dem
Türenschließen für alle klar...und in
diesem Fall auch noch vor Erfindung der
Smartphones...
- Der Freizeitbus
soll uns bei "der"
Kirche in der
Allgäuer Straße abholen. Natürlich
wartet ein Busfahrer bei der ersten
Kirche, die er in unserer Straße sieht,
aber das ist die katholische Kirche...
Erst Eltern, die ihre Kinder bringen,
fragen den Fahrer höflich, ob er nicht
doch zu uns wolle.
- Freizeiten dauern
bei uns "selbstverständlich"
von Montag bis zum
übernächsten Donnerstag.
Ein Schreibfehler im Busunternehmen wird
nicht bemerkt, weil dort ganz selbstverständlich
Fahrten Freitags
enden. Der Buschef holt uns Donnerstag
abend ab ie Gruppe darf dafür bis zum
Abendessen am Freizeitort bleiben...
Klaudia
Kottek 2004
Zur
Checkliste für Mitarbeiterbesprechungen auf
Freizeiten und Wochenendausflügen
Zu
Auszügen aus meinem gemeindepädagogischen
Konzept
Link zur Checkliste
zur Planung von Sommerferienfahrten (Zwei-Seitenansicht,
nur zur Übersicht)
Link zur Checkliste
zur Planung von Sommerferienfahrten (reine
Textfassung)
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